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January 2026

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Mona Rizaj | BMWKMS Startstipendiatin 2025

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„Meine Methode war schon immer dokumentarisch, bevor sie filmisch wurde“

Mona Rizaj, 1994 in Wien geboren, studierte Bildende Kunst mit Schwerpunkt Zeitbasierte Medien an der HFBK Hamburg. In ihrer künstlerischen Arbeit – beispielsweise im Kurzdokumentarfilm Mut Me Lule (Diagonale 2024) – beschäftigt sie sich mit der kosovo-albanischen Diaspora. Für das Startstipendium 2025 hat sie sich mit dem Dokumentarfilmprojekt Meisel Mon Amour beworben, das sich mit einem Wiener Kulturgut auseinandersetzt: dem Meiselmarkt im 15. Bezirk.

Während deines Studiums warst du Teil der „Experimentellen Klasse“. Was genau war das und was war euer künstlerischer Fokus?

Mona Rizaj: Die Experimentelle Klasse agiert an der Schnittstelle zwischen bildender Kunst und Theorie und legt dabei den Schwerpunkt auf queere, feministische und intersektionale Fragestellungen und Arbeitsweisen. In der Klasse wird an Formaten von Gesprächen gearbeitet, die hierarchiearm funktionieren, angstfrei sind und die Fixierung auf eine einzelne Person vermeiden. Die Experimentelle Klasse legt Wert darauf, partizipative und kollaborative Arbeitsformen zu entwerfen und anzubieten, über die Werkzeuge zur Vermittlung der Inhalte entwickelt und ein gemeinschaftliches Arbeitsklima geschaffen werden. Im Fokus der inhaltlichen Auseinandersetzung stehen verschiedene Aspekte von Care-Arbeit.

Die Experimentelle Klasse der HFBK Hamburg wurde von Joke Janssen und ANna Tautfest ins Leben gerufen und besteht aus: Saskia Ackermann, Anne Mayer, Anne Meerpohl, Zineb Mahassini, Lara Molenda, Charlotte Perka, Mona Rizaj, Cristina Rüesch, Anna Unterstab

Die Publikation "Kanon – Die experimentelle Klasse", die ein Gemeinschaftswerk der der experimentellen Klasse ist und biografische und Sachtexte, Korrespondenzen, Audiowalks, Gedichte, Zeichnungen und Fotos beinhaltet. Erschienen im Argument Verlag.

Mit „Mut Me Mule“ (2023), der auf der Diagonale zu sehen war, hast du deinen ersten kurzen Dokumentarfilm realisiert. Darin beschäftigst du dich mit der kosovo-albanischen Diaspora. Wie hast du zum dokumentarischen Film gefunden?

Mona Rizaj: Ich komme ursprünglich aus dem Audiobereich. In meiner früheren Arbeit habe ich vor allem an Multikanal-Audioinstallationen gearbeitet, oft orts- und zeitbezogen. Im Zentrum stand dabei immer das Zuhören als Arbeitsweise: das genaue Wahrnehmen von Situationen, Stimmen und Atmosphären. Aus dieser Praxis heraus hat sich mein Zugang zum dokumentarischen Film fast logisch entwickelt. Meine Methode war schon immer dokumentarisch, bevor sie filmisch wurde.

Still aus dem Kurzdokumentarfilm "Mut Me Mule" (2023, 20 Min.), in dem zwei Dörfer in zwei verschiedenen Ländern gegenübergestellt werden, in denen eine Großmutter und ein Großvater leben, die viel sprechen, aber nicht miteinander kommunizieren und nur durch ihre Kinder miteinander verbunden sind.

Welche Filme kommen dem am nächsten, wie du Filme machen möchtest? Hast du Vorbilder?

Mona Rizaj: Ich halte mich kurz und knapp – diese Filme haben mich in ihrer Form als auch inhaltlich sehr beeindruckt: Verschwinden / Izginjanje von Andrina Mračnikar, Knittelfeld - Stadt ohne Geschichte von Gerhard Friedl sowie Untitled von Michael Glawogger.

Worum geht es im geplanten Dokumentarfilmprojekt „Meisel Mon Amour“, mit dem du dich für das Startstipendium beworben hast?

Mona Rizaj: Der Meiselmarkt ist ein lebendiger, interkultureller Marktplatz – zum 30. Jubiläum möchten wir als Filmemacher:innen und ich als langjährige Besucherin des Marktes seine Geschichte und die Geschichten der Menschen, die dort täglich sind, erzählen. Der Film soll zeigen, wie sich der Markt im Laufe der Jahre verändert hat, was er für die Stadt bedeutet und einen Blick in die Zukunft werfen. Interviews, Archivrecherchen und direkte Beobachtungen vor Ort sollen die Grundlage bilden. Das Projekt werde ich zusammen mit meinem Projektpartner Zacharias Zitouni, Filmemacher und Kameramann, angehen, welcher sich intensiv mit den Themen Arbeit und Migration im Film auseinandersetzt. Er wird die Bildgestaltung und Co-Regie übernehmen.

In Wien gibt es sehr viele Märkte. Was macht den Meiselmarkt für dich so besonders und bedeutend?

Mona Rizaj: Der Meiselmarkt im 15. Bezirk, Rudolfsheim-Fünfhaus ist anders als viele traditionelle Märkte der Stadt. Er befindet sich größtenteils unter der Erde – an einem Ort, der einst eines der größten Wasserreservoirs Wiens war. Das 1873 errichtete Reservoir diente dazu, die wachsende Stadt mit frischem Trinkwasser aus den Alpen zu versorgen. In den 1990er-Jahren wurde das Wasserreservoir stillgelegt, und an seiner Stelle entstand der Meiselmarkt wie wir in heute kennen. Er wurde 1995 eröffnet.

In welchem Stadium befindet sich das Projekt aktuell und was sind derzeit die großen Herausforderungen?

Mona Rizaj: Das Projekt befindet sich derzeit in der Projektentwicklung. Wir stehen in engem Austausch mit den Beteiligten am Meiselmarkt, viele Gespräche laufen bereits. Eine besondere Herausforderung ist, das 30-jährige Jubiläum, das eigentlich 2025 gefeiert werden sollte, aber aufgrund von Leerständen und Neueröffnungen auf 2026 verschoben wurde. Diese Ungewissheit gehört zur aktuellen Realität des Ortes – und ist zugleich Teil dessen, was uns filmisch interessiert. Parallel dazu wird die Recherche vertieft, Gespräche werden fortgeführt und Zugänge weiter gefestigt. Ziel der aktuellen Phase ist es, auf diese offenen Rahmenbedingungen flexibel reagieren zu können und gleichzeitig eine tragfähige filmische Struktur zu entwickeln, die sowohl auf das geplante Ereignis als auch auf dessen mögliche Verschiebungen reagiert.

Instagram Mona Rizaj

Portraitfoto © Cinema Next | Brisilda Bufi

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